Die Eisenbahnstrecke Bitterfeld - Stumsdorf

Pressemeldung vom 14.11.2003


"Saftbahn" als Anschlussbahn

Kommunales Trägermodell vorgestellt

Die für September 2003 angekündigte Entscheidung über den künftigen Betreiber der Bahnstrecke Bitterfeld – Stumsdorf ist noch nicht gefallen.

Nachdem der bisherige Übernahmekandidat SachsenBahn am 18.09.2003 seinen vorläufigen Ausstieg aus den Verhandlungen erklärte, war bis Ende September nur noch die Regiobahn Bitterfeld (RBB) im Rennen. Für diese wiederum waren die hohen Forderungen der Deutschen Bahn AG inakzeptabel, weshalb die Streckenübernahme scheiterte.

Betriebs- und Kostenkonzept vorgestellt

Der Fahrgastverband PRO Bahn und die RBB stellten den eingeladenen Kommunal- und Landkreisvertretern am 14.10.2003 ein Kosten- und Betriebskonzept für die Schieneninfrastruktur vor, auf Grundlage einer kommunalen Trägergemeinschaft. Auf diesem Wege wäre auch die Nutzung von Fördermöglichkeiten einfacher. Aussichtsreich scheint diese Variante auch insofern, als sich neben dem Landkreis auch die Kommunen Bitterfeld, Stumsdorf, Zörbig, Großzöberitz und Heideloh für den Streckenerhalt ausgesprochen haben. Die kostengünstigste Variante wäre die Bahnstrecke zwischen Bitterfeld nach Zörbig vorerst als Anschlussbahn zu betreiben, da weniger Betriebsmittel benötigt werden. Der Streckenteil zwischen Zörbig und Stumsdorf könnte sporadisch genutzt werden. Ein wirtschaftliches betreiben der "Saftbahnstrecke" wäre allein im Güterverkehr mit täglich 2-3 Zugpaaren möglich.

DB Netz bekundet Verhandlungsbereitschaft

Da die DB Netz das Stilllegungsverfahren weiter aufrechterhält, kam es kurzfristig am 22.10.2003 zu einem Gespräch zwischen der Stadt Zörbig, PRO Bahn, RBB und der Deutschen Bahn AG in Leipzig. Die Bahnstrecke wird nach Angaben der Deutschen Bahn zunächst "stillgelegt", damit die laufende und bestehende Instandhaltungspflicht nicht mehr besteht. Die Vor-Ort Interessen zum Fortbestand dieser Bahnlinie konnten nun erreichen, dass die Bahn AG bis Ende Juni 2004 die Verhandlungsbereitschaft zum Weiterbetrieb gegenüber einer kommunalen Trägerschaft bekundet hat. Zugesichert habe man auch, die Infrastruktur bis zu diesem Zeitpunkt zu erhalten und nicht abzubauen.

Trotz des Entgegenkommens der DB Netz, besteht dringender Weiterverhandlungsbedarf, um Planungssicherheit für die neuen Gleisanlagen auf dem Gelände der Bioethanolanlage zu gewährleisten. Die Unternehmensgruppe Sauter hat weiterhin großes Interesse, die Schiene als Transportmittel zu nutzen. Vorausgesetzt, es fällt eine positive Entscheidung in den nächsten Wochen "für die Bahn".

Um zu einem schnellen Ergebnis zu kommen, laufen nun die Gespräche mit möglichen Beteiligten einer Trägergemeinschaft an.

Politik entscheidet über Fortbestand

Da die Zukunft dieser Bahnverbindung auch in politischen Händen liegt, setzte sich PRO Bahn erneut mit dem Magdeburger Verkehrsministerium in Kontakt und machte auf die bestehenden Probleme bei der Streckenabgabe aufmerksam. Der Fahrgastverband konnte erreichen, dass sich der Verkehrsausschuss des Landes mit dem Thema "Saftbahn" befasste. Verkehrsminister Dr. Daehre sieht für die Bahnstrecke gute Chancen, auch durch den Güterverkehr. Einen Personenverkehr stellt er in Aussicht, wenn ein Betreiber günstige Konditionen bietet und der parallele Busverkehr eingestellt wird. Er zeige sich jederzeit gesprächsbereit, wenn ein Konzept vorgestellt wird.

VWG Zörbig, Amtsblatt "Zörbiger Bote", Fvb. PB S. Herbsleb, Ausgabe 11/03, 14.11.03

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