Die Zörbiger Saftbahn

Pressemeldung vom 15.11.2002


Weiterbau rückt heran

Bahn pocht auf Verfahren - Drei Bewerber

Im Fall des vorläufig gestoppten Brückenbaus über die ehemalige \"Saftbahn\" bei Sandersdorf deutet sich eine Entscheidung an. \"Es sieht so aus, als ob weitergebaut wird\", sagte Harald Kreibich, Sprecher im Magdeburger Verkehrsministerium, am Donnerstag auf MZ-Anfrage. Der Grund: Die Bahn AG als Eigentümerin der Gleisanlagen beharrt darauf, das Stilllegungsverfahren für die Strecke abzuwarten. Doch das dauert dem Land einfach zu lang.

Die Brücke, für die bereits die Fundamente gegossen sind, soll die Sandersdorfer Ortsumgehung der neuen B 183 über die Gleise führen. Weil dort aber seit Ende September kein Zug mehr rollt, hatte Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) nach Protesten einen vorläufigen Baustoff verhängt und Gespräche mit der Bahn angekündigt (die MZ berichtete).

Das Ergebnis: Wie Kreibich sagte, wolle die Bahn AG über etwas anderes als eine Brücke erst mit sich reden lassen, wenn das Stilllegungsverfahren förmlich abgeschlossen sei. Das könne bis zu einem Jahr dauern. Kreibich: \"So lange können wir nicht warten.\" Noch sei eine Entscheidung über Weiterbau oder endgültigen Baustopp aber nicht gefallen.

Bahn-Sprecher Jörg Bönisch entgegnete, die Bahn sei an gesetzliche Vorgaben gebunden. Demzufolge könnten Gleisanlagen \"mit etwas anderem als einer Brücke\" erst überbaut werden, wenn sie \"entwidmet\" sind, also nicht mehr dem Zugverkehr dienen. Dafür zuständig sei das Eisenbahn-Bundesamt.

Bisher ist ein Stilllegungsverfahren noch gar nicht eingeleitet. Zunächst ist die Strecke ausgeschrieben, die Frist endet am Sonnabend. Ob Bewerbungen eingangen sind, dazu wollte Bönisch sich nicht äußern. Nach MZ-Informationen gibt es drei Interessenten, darunter die Leipziger Sachsen-Bahn GmbH.

Das Land befürchtet, dass eine einjährige Verzögerung teurer wird als der Weiterbau der Brücke. Nicht nur, weil dann die mit dem Bau beauftragte Leipziger Firma Schadenersatz fordern könnte. Sondern auch, weil an der Sandersdorfer Umgehung noch andere Bauprojekte hängen. \"Wenn sich da etwas verzögert, würden uns auch andere Firmen aufs Dach steigen\", sagte Kreibich.

Betroffen wäre zum Beispiel die geplante Verbreiterung der A 9 auf sechs Spuren, sagte Gerhard Olbrich von der Abteilung Straßenbau / Straßenverkehr im Ministerium. \"Bevor wir damit in Höhe der alten B 183 anfangen, wollen wir die Ortsumgehung fertig haben.\" Der bereits jetzt eingetretene Zeitverzug sei aber noch zu verkraften.

Olbrich sagte, der Planfeststellungsbeschluss für die Umgehung schreibe die Brücke vor. Es habe auch keinen Spielraum gegeben, den Bau zu verschieben. \"Wir können nicht sagen, wir bauen bis kurz vor die Gleise und warten dann mal ab. Das würde niemand verstehen.\" Die Region habe großes Interesse an der Umgehungsstraße.

Mitteldeutsche Zeitung

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