Die Eisenbahnstrecke Bitterfeld - Stumsdorf

Pressemeldung vom 11.12.2002


Bus soll nun nach Plan rollen

Ab 15. Dezember auch am Wochenende regulärer Linienverkehr - Starke Nachfrage

Beim Busverkehr auf der ehemaligen \"Saftbahnstrecke\" Bitterfeld-Stumsdorf gibt es zum Fahrplanwechsel der Bahn am 15. Dezember erneut eine Änderung: Die Anrufbusse, die an den Wochenenden bisher ausschließlich verkehren, werden dann durch reguläre Fahrten der Linie 416 ersetzt. Der Geschäftsführer des Regionalverkehrs Bitterfeld-Wolfen (RVB), Wolfdietrich Vetter, begründete das gegenüber der MZ mit der großen Nachfrage von Fahrgästen an den Wochenenden.

Wie Vetter sagte, schwanke die Auslastung der Anrufbusse je nach Tageszeit zwar zwischen 20 und 80 Prozent. Allein letzterer Wert habe den RVB und die Nahverkehrsservice-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) aber veranlasst, wieder einen regelmäßigen Linienbus nach dem bekannten Fahrplan einzusetzen. \"Da so der Umweg der Bus-Bestellung entfällt, hoffen wir doch noch, den einen oder anderen Fahrgast zu gewinnen\", sagte der RVB-Chef. Von der Nasa, die die zusätzlichen Busse anstelle der Züge bestellt hatte, gebe es dafür nicht mehr Geld. Man werde die Kosten aber an anderer Stelle ausgleichen, erklärte Vetter.

Sebastian Herbsleb vom Fahrgastverband \"Pro Bahn\" aus Zörbig reagierte kritisch auf die Ankündigung. Er bedauere, dass man erst nach über zwei Monaten feststelle, dass ein Anrufbus-Verfahren auf der Strecke nicht sinnvoll sei, erklärte Herbsleb auf MZ-Anfrage. \"Pro Bahn\" hatte das Angebot als Verschlechterung gegenüber dem Zugverkehr kritisiert (die MZ berichtete).

Vetter räumte ein, dass es zeitweise Probleme bei der Bestellung von Anrufbussen gebe. Auch bei der MZ hatten Leser beklagt, dass sie am Telefon manchmallange warten und öfter anwählen müssen. Wie der RVB-Chef sagte, seien in Spitzenzeiten sechs Disponenten notwendig, um zu vermeiden, dass Kunden am anderen Ende der Leitung ein Besetzzeichen hören. Doch pro Schicht nehmen derzeit nur drei Mitarbeiter die Bestellungen entgegen. Es waren einmal vier, \"aber wir mussten dort Leute entlassen\", sagte Vetter, \"weil wir finanziell nicht mehr hingekommen sind\".

Laut Vetter hätten sich die Kunden allerdings auf das Problem eingestellt. Viele würden auf Zeiten ausweichen, wo weniger Betrieb in der Disponenten-Zentrale herrsche. \"Wir haben nur ganz wenige Beschwerden bekommen.\" Der

Ansturm sei der ungeheuer großen Resonanz auf den Anrufbus geschuldet, bei dem der RVB im Kreis Bitterfeld und dem mittlerweile mit einbezogenen Nachbarkreis Köthen 25 000 Fahrgäste pro Monat zählt. Der RVB-Chef: \"Damit haben wir nicht gerechnet.\"

Reagieren will das Unternehmen mit einer neuen Software, die zu Beginn der Sommerferien 2003 einsatzbereit sein soll (siehe Infokasten). Eine weitere Neuerung: Ab dem Jahreswechsel wird der Anrufbus-Betrieb um 19 Uhr eingestellt.

Bisher rollen die Busse bis 21 Uhr. Vetter sagte, die jährlichen Kosten müssten um ein Drittel auf 800000 Euro gesenkt werden, um finanziell über die Runden zu kommen.

Mitteldeutsche Zeitung

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