Die Zörbiger Saftbahn

Pressemeldung vom 17.01.2003


Stilllegungsverfahren um "Saftbahn" abgewandt

Verhandlungen zur Streckenprivatisierung laufen

Nachdem der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Bitterfeld –Stumsdorf vom Land Sachsen-Anhalt Ende September abbestellt wurde, schrieb die Deutsche Bahn AG die Schieneninfrastruktur zur Übernahme bis zum 16.11.2002 aus. Da sich vier private Eisenbahnunter- nehmen bei der Bahn um die Strecke beworben haben, konnte ein Stilllegungsantrag beim Eisenbahnbundsamt (EBA) in Halle/S. verhindert werden. Unter den Bewerbern ist auch die Leipziger Sachsenbahn. Sie bemüht sich zusammen mit den Anliegergemeinden um die Wiederaufnahme des Personen- und Güterverkehrs auf der "Saftbahnstrecke".
Durch das rege Interesse privater Eisenbahnunternehmen an der Übernahme dieser Strecke wird nun auch die Eisenbahnbrücke der Ortsumgehung Sandersdorf weitergebaut und angabegemäß bis Ende August 2003 fertig gestellt.
Der Zeitrahmen für die Streckenübergabe wird nicht nur von der Auswahl des neuen Betreibers durch die Deutsche Bahn AG und den Vertragsverhandlungen bestimmt. Bei jedem Betreiberwechsel sind zahlreiche Regelungen durch das EBA und den Landesbeauftragten für Bahnaufsicht des Landes Sachsen-Anhalt zu modifizieren, was verständlicherweise eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Fahrgastverband traf sich mit Magdeburger Verkehrsministerium

Im Dezember trafen sich Vertreter des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" und des Magdeburger Verkehrsministeriums. In einem gemeinsamen Gespräch ging es u.a. um die durchgeführten Streckenabbestellungen im Land; insbesondere um die Bahnstrecke Bitterfeld – Stumsdorf, zu der weitere Erkenntnisse und Hintergründe ausgetauscht wurden. Aufgrund der Minderung an Mittel-
zuweisungen vom Bund, für die Bezahlung von Schienenpersonennahverkehr (SPNV), war die Landesregierung gezwungen einige Nahverkehrsstrecken im Land bei der Deutschen Bahn AG abzubestellen. Nach Aussage der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) sollte die "Saftbahn" nicht abbestellt werden, jedoch lag das Einsparpotential für diese Strecke hoch. Durch die topografischen Verhältnisse wurde der SPNV auf Busersatzverkehr umgestellt. Im Gespräch kristallisierte sich auch heraus, das Sachsen-Anhalt nicht gegen die Schiene ist, sondern nach Auffassung des zuständigen Ministeriums die "Saftbahn" mit den gegenwärtig vorhandenen Mitteln nur durch ein Busverkehr zu finanzieren ist. Dabei wurde von Seiten des Landes klargestellt, dass mit der Abbestellung der "Saftbahn" noch keine Stilllegung und der Abbau der Gleise verbunden ist, denn in der Presse sorgte das Wort "Streckenstilllegung" schon für manche Unklarheit.

Unternehmensgruppe Sauter plant umfangreichen Güterverkehr

Großes Aufsehen bringt nun die geplante Großinvestition im Zörbiger Gewerbegebiet. Die Unternehmensgruppe Sauter will am Standort Zörbig eine neue Bio-Ethanol Anlage errichten. Sie soll zwischen dem jetzigen Standort und der bestehenden Bahnstrecke Zörbig – Großzöberitz für ca. 30 Mill. Euro errichtet werden. Die Logistik will das Unternehmen zukünftig über 90% auf dem Schienenweg abwickeln.
Zwei weitere Gewerbetreibende haben daraufhin Interesse, ihre Güter über die Schiene transportieren zu wollen.
Güterverkehr wird Grundlage für zukünftigen Personenverkehr

Ein wichtiger Schritt für einen Personenverkehr wird der geplante Güterverkehr auf der Bahnstrecke sein. Er sichert ohne zeitliche Begrenzung, dass die Schieneninfrastruktur abgestoßen und stillgelegt wird.

Die Bemühungen für einen SPNV auf dieser Verbindung gehen in allen Richtungen weiter.
Die Leipziger SachsenBahn wird dazu das Streckenkonzept (Personen- und Güterverkehr) überarbeiten und zur Entscheidung nach Magdeburg einreichen. Die Verhandlungen zur Streckenübernahme mussten im September 2002 abgebrochen werden, da u.a. kein Güterverkehr für ein wirtschaftliches Streckenbetreiben vorhanden war.
Auch Pro Bahn stellt sich nicht entgegen und plant weitere Vorgehensweisen. Das Land wird ab dem Jahr 2003 Schienenstrecken und Bahnnetze ausschreiben und für den Wettbewerb öffnen. Nach der Aussage des Ministeriums werden aber nur die Bahnstrecken ausgeschrieben, die derzeit noch im SPNV bedient werden. Dennoch könnte die Ausschreibung für die "Saftbahnstrecke" interessant werden.

Zweifel und Verwirrung am Ersatzbusverkehr

Auch nach dem Fahrplanwechsel am 15.12.2002 gibt es noch zahlreichen Probleme und Mängel am Busersatzverkehr zwischen Bitterfeld und Stumsdorf.
Aufgrund der bereits veröffentlichten Vorfälle und Beschwerden und auf drängen des Fahrgastverbandes Pro Bahn konnte das Anrufbusverfahren am Wochenenden sowie Feiertagen durch einen Linienbus ersetzt werden. Jedoch bestehen Zweifel daran, ob das Angebot z.B. am Wochenende mehr genutzt wird. So kappte die Deutsche Bahn im Bahnhof Bitterfeld den Übergang zwischen den Nahverkehrszügen und dem Bus, wodurch lange Wartezeiten vom Fahrgast hinzunehmen sind. "Für Nutzer des Schönen Wochenende-Tickets bringt es nichts, wenn man eine Zeit lang auf seinen Anschlusszug bzw. Bus warten muss", gibt Pro Bahn weiter bekannt. Nach einer Recherche hätte im Vergleich die "Saftbahn", aufgrund der kürzen Fahrzeit, die Übergänge geschafft und die Attraktivität für die Fahrgäste steigern können.
Zu Verwirrungen kam es auch an den Werktagen zwischen Weihnachten und Silvester. Aufgrund der unklaren und unverständlichen Fahrplandefinierung fuhren die Busse an Werktagen nur alle zwei Stunden, obwohl im Fahrplan ein 1-Stundentakt angegeben wird. Bestätigt haben sich auch die Verspätungen und Verzögerungen an schneereichen Tagen.

Fahrgäste können ihre Beschwerden, Probleme und Erfahrungen der Stadtverwaltung Zörbig mitteilen
(Briefkasten Ordnungsamt, Lange Str., z.H. Herr Voss, Fax.-Nr.: 034956 / 60222).
Die Verwaltungsgemeinschaft wird die so erhaltenen Informationen in Zusammenarbeit mit Vertretern der "Pro Bahn" auswerten.
Kontakt / Informationen

Internet: www.saftbahn.de
E-Mail: info@saftbahn.de
Pro Bahn Fax: 069 / 42 68 48 98

Gemeindezeitung der Verwaltungsgemeinschaft Zörbig, Amtsblatt "Zörbiger Bote", Ausgabe 01/03, 17.01.03

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