Bahn macht ein Angebot
Gespräch zur Saftbahnstrecke in Zörbig
Die drei Bewerber für die Saftbahnstrecke zwischen Bitterfeld und Stumsdorf sollen
in den nächsten Tagen von der Bahn AG ein Angebot zur Über-
nahme erhalten. Das wurde gestern bei einem Gespräch zur Zukunft der Bahnli-
nie im Zörbiger Rathaus deutlich. Eingeladen dazu hatte der Fahrgastverband
"Pro Bahn" in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Unser Redakteur Alex-
ander Schierholz sprach darüber mit Sebastian Herbsleb von "Pro Bahn".
Wer hat an der Runde teilgenommen?
Herbsleb: Mit am Tisch saßen Vertreter der Zörbiger Stadtverwaltung und der
Verwaltungsgemeinschaft, die Bürgermeister aus Großzöberitz und Stumsdorf,
Kommunal-und Landespolitiker sowie ein Abgesandter der DB Netz AG. Das ist
die Bahn-Tochter, die sich um die Gleisanlagen kümmert.
Gab es greifbare Ergebnisse?
Herbsleb: Durchaus. Der Bahnvertreter hat signalisiert, dass das Angebot für die
Streckenübernahme noch in dieser Woche an die drei Bewerber gehen soll. Die
haben dann drei Wochen Zeit zu reagieren, und im September, so wurde gestern
angedeutet, soll die Entscheidung fallen.
Das ist noch recht lange hin...
Herbsleb: Man muss bedenken, dass mit den Interessenten ja dann noch verhand-
elt werden muss. Außerdem entscheidet die Bahn letztlich nur gemeinsam mit dem
Land. Dort gibt es eigens einen Bevollmächtigten, der eingeschaltet werden muss,
wenn Gleisanlagen an private Betreiber gehen. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben.
Wenn es nach "Pro Bahn" geht, sollen auf der Saftbahn nicht nur Güter-, sondern auch
wieder Personenzüge rollen. Mindestens einer der Bewerber will das auch. Wie soll
das aber gehen, da das Land schon erklärt hat, für Personenverkehr keine Fördermittel
mehr bereit zu stellen?
Herbsleb: Basis ist für uns der Güterverkehr. Wenn der läuft, können auch wieder
Personenzüge rollen. Gemeinsam mit dem Betreiber, der den Zuschlag erhält, wollen
wir dann ein Konzept erarbeiten und beim Land einreichen.
Was macht Sie so zuversichtlich, dass es dann auch Geld gibt?
Herbsleb: Das zeigen Erfahrungen aus anderen Bundesländern. Auf vielen Strecken,
auf denen der Verkehr zunächst eingestellt wurde, rollt er jetzt wieder unter privater
Regie. Private Eisenbahn-Unternehmen können ganz anders rechnen als die Bahn AG.
Es ist denkbar, dass auch der neue Betreiber der Saftbahn mit weniger Fördermitteln
auskommt als bisher gezahlt worden sind
Mitteldeutsche Zeitung, Zörbig/MZasc. 20.05.2003