Die Eisenbahnstrecke Bitterfeld - Stumsdorf

Pressemeldung vom 19.09.2003


Verhandlungsmarathon um Bahnstrecke

Entscheidung über Zukunft bis Jahresende

Knapp ein Jahr nach der Abbestellung und Ausschreibung der Bahnstrecke Bitterfeld – Stumsdorf, ist der neue Schieneninfrastrukturbetreiber noch nicht ermittelt. Nachdem DB Netz den drei Bahnbewerbern im Mai ein Pachtangebot unterbreitet hatte, zog sich die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) Mitte Juni von ihrem Übernahmebestreben zurück.

Die DB Netz, die bislang für die Bahnstrecke zuständig ist, will aber noch in diesem Geschäftsjahr zu einem Ergebnis kommen. Sie verhandelt z. Z. noch mit der Leipziger SachsenBahn und der Regiobahn Bitterfeld (RBB). Letztere betreibt bereits im Chemiepark Bitterfeld/Wolfen über 70 Kilometer Bahngleis.

Neuer Vertrag kann Zukunft sichern

Gründe für die Abgabeverzögerungen liegen im Detail. Da die Bahnstrecke an eine Nichtbundeseigene Eisenbahn (NE-Bahn) übergehen soll, müssen Bundesmittel an die Bahn AG zurückgezahlt werden, die von Investitionen in die Bahnstrecke zustande kommen. Alle betriebsnotwendigen Gleisanlagen zwischen Bitterfeld und Stumsdorf sollen über einen Vertragszeitraum von zunächst 20 Jahren gepachtet werden. Die Zukunft und Fortbestand der "Saftbahnstrecke" wäre dann gesichert.
Die RBB verbindet ihr Engagement für die Bahnstrecke über die positive Entscheidung zur Abwicklung des Logistiktransportes der Unternehmensgruppe Sauter im Zörbiger Gewerbegebiet "Thura Mark". Nach Angaben von RBB-Geschäftsführer Meinhardt, plant das Bahnunternehmen zwischen Zörbig und Großzöberitz ein Überhol- und Umfahrungsgleis einzubauen, damit die Güterzüge den Gleisanschluss direkt bedienen können.
Im Zuge der PRO Bahn-Analyse zum Güterverkehr, interessieren sich weitere Unternehmen in Sandersdorf und Niemberg (Bahnstrecke Stumsdorf – Niemberg) für die Schiene.

Bekundungen am Streckenerhalt

Auf Initiative der Stadt Zörbig, war das Thema "Saftbahn" am 02.09.2003 ein Tagesordnungspunkt auf dem Wirtschafts-, Umwelt und Verkehrsausschuss des Kreistages Bitterfeld.
Aufgrund des zu erwartenden Güterverkehrs auf dieser Bahnstrecke, will neben den Anliegerkommunen auch der Landkreis Bitterfeld die "Saftbahn" erhalten. Auch das Land Sachsen-Anhalt ist am Erhalt interessiert, so ein Landesvertreter des Magdeburger Verkehrsministeriums. An der Informations- und Diskussionsrunde nahm auch die Deutsche Bahn AG teil, die den letzten Abgabestand schilderte.
Allen Anwesenden war klar, dass Investitionen in die Infrastruktur unumgänglich sind. PRO Bahn verwies darauf, dass durch die Streckenprivatisierung nun kostengünstiger investiert werden kann, als bei der Deutschen Bahn AG, da bestimmte DB-Standards wegfallen. Gemäß der Fördermöglichkeiten und Richtlinien für den Erhalt und Ausbau von Eisenbahninfrastruktur in Sachsen-Anhalt, kann das Bundesland hierfür eine finanzielle Unterstützung geben. Zwar ist dieser Fördertopf im Jahr 2003 sehr beansprucht worden, dennoch könnte der neue "Saftbahnbetreiber" einen entsprechenden Förderantrag für das Jahr 2004 stellen.

Personenverkehr wird nicht ausgeschlossen

Diskussionen gab es auch um die Möglichkeit die Strecke im Personenverkehr zu reaktivieren. Hier bringt sich nun auch die Anhaltische Bahngesellschaft (ABG) aus Dessau aktiv mit ein, die bereits erfolgreich die Saisonstrecke von Dessau nach Wörlitz betreibt. Das Bahnunternehmen hat sich mit der RBB über eine Zusammenarbeit verständigt. "Einen wirtschaftlichen Sinn hat es nur, wenn wir Personen- und Güterverkehr zusammenlegen", war von ABG-Betriebsleiter Last zu erfahren.

Die Kooperation steht u.a. im Hintergrund, die Bahnstrecke als öffentliche Infrastruktur zu erhalten. Kostengünstiger wäre die Variante, die Strecke als Anschlussgleis zu betreiben, jedoch hätte dies negative Konsequenzen für den Personenverkehr.
Der Landesvertreter äußerte, dass der Beschluss zur Abbestellung des Schienenpersonennahverkehrs zu dieser Bahnstrecke rückgängig gemacht werden kann. Wird eine entsprechende Betriebs- und Kostenkonzeption vorgelegt, wäre der Personenverkehr nicht ausgeschlossen.
Kommen die Abgabeverhandlungen für die RBB positiv zum Abschluss, will sie mit der ABG eine entsprechende "Saftbahnkonzeption" erarbeiten. PRO Bahn stellte bereits dafür die erarbeitete Streckenanalyse zur Verfügung.

Gemeindezeitung der Verwaltungsgemeinschaft Zörbig, Amtsblatt "Zörbiger Bote", she, Ausgabe 09/03, 19.09.03

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