Lifte am Bahnhof gesperrt
Die Bahn erneuert im neuen Bitterfelder Bahnhof die Fahrstühle zu den Bahnsteigen. Die Aktion startet jedoch unerwartet und hat Folgen für Passagiere. Die müssen zudem wegen der nachträglichen Fassadenarbeiten Umwege gehen.
Bitterfeld/MZ. - Vor wenigen Tagen erst ist der neue Bahnhof in Bitterfeld eröffnet worden. Jetzt müssen die Reisenden mit zusätzlichen Einschränkungen leben.
So ist der Haupteingang in die neue Bahnhofshalle zeitweise gesperrt. Grund sind die nachträglichen Arbeiten an der güldenen Aluminiumfassade, die teils direkt über den Hauptglastüren des Bahnhofs durchgeführt werden. Noch gravierender aber wirkt sich die überraschende Sperrung aller vier Fahrstühle seit Wochenbeginn aus. Die können monatelang nicht genutzt werden - mit massiven Folgen.
Große Planen verhindern in der Fußgängerunterführung und im neuen Übergangsbau des Bahnhofs den Zugang zu den Fahrstühlen. „Wir bauen einen neuen Aufzug“, verkündet die Bahn darauf in weißen Lettern auf rotem Grund. Dahinter haben die Arbeiten für den Einbau neuer Lifte begonnen. Und die dauern ein gutes halbes Jahr – bis zum 31. Januar 2026. Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator haben hier keine Chance.
Sperrung kommt plötzlich
Die Sperrung der Lifte kommt aus heiterem Himmel. Noch am Mittwoch vergangener Woche hatte Bahnhofsmanager Karsten Kammler am Rande der Eröffnungsfeier davon gesprochen, dass die Erneuerung der Fahrstühle „wahrscheinlich im September“ beginnen wird. Über den früheren Start in dieser Woche informierte die Bahn lediglich auf Onlineportalen oder Aushängen.
Fakt ist, dass gehbehinderte Menschen, für die Treppen zu anstrengend sind, nicht mehr vom Tunnel hinauf zu den Bahnsteigen oder umgekehrt kommen und auch nicht per Lift vom Tunnel in das Übergangsbauwerk oder umgekehrt. Und das über Monate. Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität können sich aber an die Hotline der Bahn unter 030/6 52 12 88 80 wenden, um Unterstützung zu erhalten. Im Prinzip können sie eine Station vor oder nach Bitterfeld aussteigen und werden per Taxi nach Bitterfeld gebracht.
Die Umrüstung der Fahrstühle gehört zum Vorhaben der Bahn, Bitterfeld zu einem „Zukunftsbahnhof“ zu entwickeln. Das sind die deutschlandweiten Vorzeigeobjekte. Für Radfahrer wird die Zukunft allerdings nur teils besser. Zwar haben sich die Abstellmöglichkeiten durch die neuen Radabstellanlagen im Zuge des Bahnhof-Neubaus deutlich verbessert. Allerdings sind die beiden abschließbaren Bereiche derzeit noch nicht nutzbar. Sie müssen noch elektrisch angeschlossen werden. Im Anschluss müssen nach MZ-Informationen Stadt und Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt einen Vertrag schließen, damit die Nutzung per App durch die Kunden auch funktioniert.
Keine Chance für Fahrräder
Auch die neuen Fahrstühle lassen Wünsche offen. Die vielfach von Bürgern erhobene Forderung, dass diese größer werden sollen als die bisher vorhandenen, damit auch Fahrräder hineinpassen, bleibt unerfüllt. Anfangs hatte man noch gedacht, dass die vorhandenen Schächte auch für etwas größere Lifte geeignet sind. „Doch genaue Ausmessungen haben leider gezeigt, dass der Platz nicht reicht“, erklärt Kammler.
Um fahrradtaugliche Fahrstühle einbauen zu können, müsste man die Schächte komplett neu bauen. Das hätte nicht nur massive Beeinträchtigungen samt Bahnsteigsperrungen zur Folge, sondern sei „auch finanziell nicht darstellbar“. Deshalb habe man bei der Erneuerung der Treppe zum Tunnel – die im Februar schon eine Liftsperrung zur Folge hatte – eine moderne Fahrradrinne eingebaut. Die wird vor allem beim Aufstieg der Treppe genutzt, abwärts tragen viele Radler ihr Bike eher. Doch vor allem ältere Radfahrer können das oft nicht und sehen in der Radrinne keine gute Lösung für sich.
Unterdessen werden an der Fassade des neuen Bahnhofs die zwischenzeitlich wieder abgebauten bernsteinfarbenen Aluteile per Hubbühnen passgenau montiert. Deshalb ist allerdings der Haupteingang zeitweise dicht. Passagiere müssen stattdessen über provisorisch verlegte Holzplanken rechts um den Bahnhof herum durch das Übergangsbauwerk laufen. Von dort kommen sie sowohl in die Empfangshalle mit Bäckerei, Reiseauskunft, Schließfächern und Wartebereich als auch zu den Bahnsteigen. Bis Ende nächster Woche waren diese Fassadenarbeiten angekündigt worden. Sie könnten allerdings bereits früher enden.
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| Foto: Mitteldeutsche Zeitung Bitterfeld, Ausgabe 25.07.2025 |
Mitteldeutsche Zeitung, Bitterfeld/MZ von Frank Czerwonn, Ausgabe: 26.07.2025