Die Zörbiger Saftbahn

Pressemeldung vom 05.10.2026


Lohnt sich der neue PlusBus?

Die Linie 480 verbindet Zörbig ein Stück mehr mit der Welt. Sie soll auch zeigen, welches Potential die Reaktivierung der Saftbahn hat. Das sagt die erste Bewertung.

„Das Geburtstagsgeschenk hätte zum 129. Geburtstag der überregional nun bekannt gewordenen Saftbahn nicht besser sein können“, freut sich Sebastian Herbsleb von der Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld des Verkehrsclub Deutschlands (VCD). Denn am Donnerstag kam Sachsen-Anhalts Ministerin für Infrastruktur und Digitales Lydia Hüskens (FDP) bereits zum dritten Mal zu diesem Thema nach Zörbig. Dieses Mal ging es auf den Schützenplatz, nahe der neuen Haltestelle.

Erst der Bus, dann die Bahn?

Grund war die Bewertung der neuen PlusBus-Linie 480, die als Übergangslösung und auch gleichzeitig als Testballon dient. Denn wie es einmal mit der Saftbahn der Fall sein soll, verbindet die Linie im Stundentakt Köthen, Zörbig, Sandersdorf und Bitterfeld. So Landrat Andy Grabner (CDU) dazu: „Die Linie 480 ist ein wichtiger Baustein in unserem Mobilitätskonzept.“
Insbesondere durch die Taktung sei der Bus für Pendler deutlich attraktiver und damit ein wichtiger Schritt dahin, den öffentlichen Nahverkehr als eine „echte Alternative“ zum Individualverkehr zu etablieren. „Gleichzeitig ist diese Linie ein wichtiger Testlauf für die Zukunft: Sie zeigt, wie stark das Potenzial für den öffentlichen Nahverkehr in unserer Region ist – eine wichtige Erkenntnis auch mit Blick auf die geplante Reaktivierung der Saftbahn“, so Grabner weiter.
Und auch Hüskens bestärkt dies. „Der PlusBus ist eine hervorragende Chance.“ Und bestätigt zudem die Absicht des Landes in die Region und die Wiederbelebung der Strecke, die aktuell lediglich von Verbio mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde genutzt werde. „Ich gehe davon aus, dass es die Strecke in Sachsen-Anhalt wird, die wir reaktivieren. Ich hoffe, dass das geschieht, bevor der ein oder andere vielleicht schräg auf uns herunter guckt“, sagte sie mit Blick auf den bevorstehenden Regierungswechsel. Gleichzeitig gestand sie ein, dass die Entscheidung keine wirtschaftliche sei.
Im Fokus stünde etwas anderes. „Dörfer, die nicht verbunden sind, sind irgendwann abgehängt“, sagte Zörbigs Bürgermeister Matthias Egert (CDU) in seiner Rede. Eine Problematik und ein Anliegen, das auch sein Seniorenbeirat an ihn herangebracht habe. Die neue Buslinie und insbesondere ein ergänzendes Angebot an Rufbussen habe Ortschaften wieder Leben eingehaucht.

Ein lohnenswerter Aufwand?

Nicht einmal eine Woche im Einsatz, war es nach der kurzfristigen Inbetriebnahme für einen konkreten Blick auf die Fahrgastzahlen noch deutlich zu früh. Fabian Watzke, der kaufmännische Leiter und Prokurist der Vetter Unternehmensgruppe: „Wir haben ein stabiles Angebot speziell auch für die Industriestandorte.“ Denn auch diese sind in der neuen Linie mit eingetaktet. Ein Angebot, das zunehmenden Zuspruch bei den Pendlern finde. Wie beliebt der ÖPNV ist, zeigt sich auch bei den Schüler-Regio-Karten, die sich mit den Erweiterungsoptionen für Jugendliche großer Beliebtheit erfreuen. „Ich glaube, auch in der nächsten Woche werden wir weiterhin positive Zahlen verzeichnen“, sagte Watzke.
Bis es zur Reaktivierung der Saftbahn kommen wird, werden noch Jahre vergehen. Doch mobiler und damit auch vernetzter ist die Region jetzt schon ein Stück geworden.

Mitteldeutsche Zeitung, Lokalredaktion Bitterfeld, Printausgabe vom 05.10.2026 von Benjamin Telm

zurück zur Presseübersicht